Gesundes Essen für Babys und Kleinkinder – so einfach wie möglich!

BLW – Baby Led Weaning | Häufige Fragen

Die Beikosteinführung ist für viele Eltern mit zahlreichen Fragen verbunden. Das gilt besonders für die breifreie Beikost nach Baby Led Weaning. Ausführliche und einfache Erläuterung zum BLW gibt es in den folgenden Beiträgen:

Weitere Fragen zur Beikosteinführung werden hier beantwortet:

Breifreie Beikost nach Baby Led Weaning

Bei der Beikosteinführung mit Brei wird empfohlen, die Lebensmittel in einer bestimmten Reihenfolge und eines nach dem anderen einzuführen. Diese Beikost beginn oft schon mit 4 Monaten, wenn der Magen und die Verdauung eines Babys noch nicht besonders ausgereift ist. Um daher den Magen zu schonen, wird mit bestimmten Lebensmitteln begonnen.

Die Beikost nach Baby Led Weaning beginnt erst mit etwa 6 Monaten, wenn das Verdauungssystem des Babys bereits ausgereifter ist. Daher ist bei BLW keine spezielle Reihenfolge der Lebensmittel zu beachten. Es gibt jedoch Nahrungsmittel, die im 1. Lebensjahr zu vermeiden sind.

Es gibt Studien, insbesondere die sogenannte “Bliss Study”, die festgestellt haben, dass Babys sich bei einer Beikost mit Fingerfood nicht häufiger verschlucken als bei einer Beikost mit Babybrei.  Wichtig ist bei dieser Frage, dass zwischen Verschlucken und Würgen unterschieden wird. Würgen ist ein Reflex, der das Baby vor einem Verschlucken schützt und ihm hilft, essen zu lernen. Das heißt, obwohl das Würgen für Eltern manchmal beängstigend aussehen kann, ist es etwas Gutes und ein normaler Prozess. 

Um ein Verschlucken zu vermeiden, ist bei jeder Form der Beikosteinführung darauf zu achten, dass die Beikostreifezeichen erfüllt sind, das Kind beim Essen aufrecht sitzt und keine risikoreichen Lebensmittel (z. B. ganze Nüsse) angeboten werden.

Auch wenn dein Baby erst sehr wenige oder gar keine Zähne hat, kann er feste Nahrung essen. Denn seine Kieferknochen sind stark, allerdings nicht so stark, dass auch sehr harte Lebensmittel, wie rohe Möhren, gegessen werden können. Daher ist in den ersten Monaten der Beikosteinführung darauf zu achten, dass alle harten Nahrungsmittel weich (aber nicht matschig) gekocht werden.

Babys wissen sehr gut, wie viel oder wenig Nahrung sie brauchen. Daher essen und trinken sie an manchen Tagen mehr und an anderen weniger. Vertraue hier auf dein Baby und dränge ihn nicht, mehr zu essen. Die Muttermilch / Pre-Milch ist weiterhin die primäre Nahrung. Daher ist es nicht so wichtig, dass dein Baby eine bestimmte Menge isst.

Beobachte dein Baby genau beim Essen und du wirst schnell erkennen, wie er dir sagt, dass er  satt ist. Das erkennst du zum Beispiel daran, dass dein Kind

  • sich vom Essen weg dreht, 
  • das Essen wegschiebt oder
  • die Arme hebt, weil es auch dem Hochstuhl raus möchte.

Um mit dem Prozess der Beikosteinführung etwas vertrauter zu werden, können Eltern z. B. einen Online-Kurs absolvieren, der die Beikosteinführung visuell und an Beispielen erläutert sowie online Videos ansehen, in denen Babys ihr erstes Fingerfood essen. Ebenso ist es hilfreich, die erste Beikost gemeinsam mit erfahrenen Verwandten oder Freunden geben.

Zu Beginn der Beikost würgen Babys eher häufig. Das sieht für Eltern oft beängstigend aus, ist aber ein guter und wichtiger Prozess. Denn das Würgen schützt das Baby vor einem Verschlucken. Durch den Würgereflex können Babys lernen, wie sie richtig und sicher essen. Auch hier gibt es Videos online, die zeigen, wie das Würgen aussieht. 

Die wohl größte Sorge, die Eltern bei der Beikosteinführung aber auch generell haben, ist, dass sich das Baby an etwas verschluckt und dann vielleicht sogar daran erstickt. Eine absolut schlimme Vorstellung, vor allem, wenn man nicht weiß, was man in einer solchen Situation tun kann, um zu helfen. Daher sollte jeder, der sich um Kinder kümmert, einen Erste-Hilfe-Kurs für Kinder absolvieren. In diesem Kurs geht es nicht nur um das Verschlucken, sondern um diverse mögliche Gefahrensituationen. Ein solcher Kurs gibt Eltern die Zuversicht, bei Unfällen oder in Notsituationen richtig zu handeln. 

 

Die Altersangabe von 6 Monaten ist lediglich ein Richtwert. Wichtig für den Beginn ist die Beikostreife. Erst wenn alle Beikostreifezeichen erfüllt werden, ist das Baby körperlich bereit, mit der Beikost zu beginnen. Das bedeutet jedoch nicht automatisch, dass das Baby auch Interesse am Essen hat. Die Empfehlung ist, spätestens vor Ende des 7. Lebensmonats mit Beikost zu beginnen. Falls das Kind zu diesem Zeitpunkt noch immer nicht essen möchte, sollte sicherheitshalber ein Kinderarzt oder Ernährungsberater kontaktiert werden.

Beim Baby Led Weaning geht es nicht darum, die Milch-Mahlzeiten möglichst schnell zu ersetzen. BLW ist eine Fortführung des „Stillen nach Bedarf“. Daher ist die Dauer des Stillens stark vom Baby abhängig. Die Beikost ist lediglich eine Ergänzung zur Muttermilch / Pre-Milch. Erst mit rund 9 Monaten wird mehr und mehr feste Nahrung aufgenommen und gleichzeitig die Milchmenge reduziert. Daher sollte mindestens bis zum 1. Geburtstag gestillt bzw. die Flasche gegeben werden.

Sobald Babys feste Nahrung bekommen, wird der Stuhl fester, dunkler und stinkt mehr. Auch unverdaute Stücke von Essen im Stuhl sind normal. Denn der Darm des Babys muss sich erst an diese neue Form der Nahrung gewöhnen und die richtigen Enzyme für eine vollständige Verdauung finden.

Falls der Stuhl zu fest wird oder um eine Verstopfung zu vermeiden, sollten Lebensmittel in die Mahlzeiten integriert werden, die auflockernd wirken, wie z. B. Birne, Pastinake, Aprikose, Pflaume und Brokkoli. Getrocknete Pflaumen wirken besonders gut (gewöhnlich reicht eine Pflaume am Tag). Zudem ist ausreichend Flüssigkeit wichtig, um eine Verstopfung zu vermeiden. D. h. ein häufiges Anbieten der Muttermilch oder Flasche und zusätzlich Wasser zu jeder Mahlzeit sind hilfreich.

Breifreies Essen

Gerade im Alter von 6 Monaten sind Babys noch nicht in der Lage, ihre Hände mit Absicht zu öffnen oder gar das Essen in der Faust weiter hochzuschieben, um erneut abbeißen zu können. Ein Fallen lassen bedeutet daher nicht, dass er das Essen nicht mag, sondern lediglich, dass er etwas Neues greifen möchten, an dem wieder etwas zum Abbeißen dran ist.

Ebenso ist es normal, dass Babys Essen in den Mund nehmen und es sofort wieder ausspucken. Dieses Verhalten sollte nicht als Ablehnung verstanden werden, sondern als ein Experimentieren und Lernen.

Es ist normal, dass Babys phasenweise die Lust am Essen verlieren oder nicht selber essen wollen. Das selber Greifen und zum Mund führen ist für Babys schwierig und kann auch frustrierend sein, wenn es nicht so klappt wie gehofft. Biete weiterhin regelmäßig Essen. Achte dabei auf Abwechslung. Manchmal ist es allerdings auch sinnvoll, für ein paar Tage eine Pause einzulegen oder bei einzelnen Mahlzeiten Brei anzubieten. Auf keinen Fall sollte das Baby zum Essen gedrängt werden, da Mahlzeiten nie zu einer stressigen Situation werden sollten.

Genau wie in der körperlichen Entwicklung erleben Kinder auch beim Essen unterschiedliche Phasen. Mal sind sie sehr hungrig und zeigen großes Interesse am selber Essen, mal möchten sie für Tage nur gestillt werden bzw. die Flasche bekommen (z. B. weil sie zahnen). Das ist völlig normal und okay.

In den ersten Wochen ist das Essen primär ein Spielen, bei dem immer mal wieder Essen im Mund landet. Es ist daher normal und okay, wenn zu Beginn der Beikost nur sehr kleine Mengen gegessen werden. Erst mit 8 bis 9 Monaten fängt das Baby an, sich mehr auf das Essen zu konzentrieren und weniger zu spielen. 

Im ersten Lebensjahr geht es darum, dass Essen Spaß macht und nicht, das Baby mit Beikost satt zu kriegen.

Kuhmilch ist als Getränk erst für Kinder ab 12 Monaten geeignet, weil der hohe Gehalt an Mineralstoffen und Proteinen die Nieren von Babys zu sehr belastet. Zudem ist Kuhmilch sehr sättigend. Wenn ein Baby beim Essen viel Milch trinkt, wird es sehr wahrscheinlich weniger Essen und somit weniger Nährstoffe zu sich nehmen. Bei Mahlzeiten mit Fingerfood sollte am besten Wasser zum Trinken angeboten werden. 

Gerade Leberwurst, Mortadella und Würstchen sind bei Kindern beliebt. Jedoch ist der Salzgehalt in Wurst oft sehr hoch. Selbst spezielle Kinderwurst hat nicht unbedingt weniger Salz. Achte also unbedingt auf den Salzgehalt. Kinder unter 1 Jahr sollten nicht mehr als 1g Salz pro Tag essen. Ab und zu und in kleinen Mengen ist Wurst okay.

Gesundes Fett ist aus vielen Gründen wichtig für die Entwicklung kleiner Kinder. Daher wird dem Babybrei gewöhnlich etwas Öl zugefügt. Auch beim Baby Led Weaning ist es wichtig, regelmäßig gesunde Fette anzubieten. Diese sind zum Beispiel enthalten in Nüssen / Samen (als Mus oder gemahlen), Avocado, Leinöl, nativem Avocado-Öl, nativem Olivenöl und kaltgepresstem Rapsöl. 

Avocado ist ein tolles erstes Fingerfood. Öle werden z. B. für Waffeln, Muffins und Dips verwendet. Ebenso kann man Brot direkt in Öl dippen. Nussmus kann ebenfalls für Waffeln, Muffins und Kekse verwendet werden oder für Engery Balls. Bei Käse und Joghurt sollten keine fettreduzierten Produkte gewählt werden. 

Die Antwort auf diese Frage ist stark davon abhängig, was das Baby zu essen bekommt. Wenn es primär auf Brot rumlutscht, ist eine ausreichende Versorgung mit den notwendigen Nährstoffen zweifelhaft. Wenn jedoch sichergestellt wird, dass das Baby regelmäßig eine gute Auswahl an gesundem Essen aus allen Lebensmittelgruppen bekommt, dann ist auch eine gute Versorgung mit allen notwendigen Nährstoffen wahrscheinlich.

Ein möglicher Nährstoffmangel ist eine häufige Kritik am Baby Led Weaning. Jedoch haben Studien gezeigt, dass kein wesentlicher Unterschied festgestellt wird in Wachstum und Entwicklung zwischen Beikost mit Brei und der breifreien Beikost nach BLW. Die Beikosteinführung mit Fingerfood beruht darauf, dass dem Kind immer mehrere und über die Tage verteilt eine Vielzahl verschiedener Lebensmittel angeboten werden, eben damit viele verschiedene Nährstoffe aufgenommen werden können. Dabei ist es wichtig, dass es eine eisenreiche Mahlzeit pro Tag gibt (siehe „Eisenmangel bei Kindern – Lebensmittel mit viel Eisen“).

Eltern und Geschwister sind für Babys absolute Vorbilder, denn sie lernen ganz viel nur vom Zugucken. Daher ist es schön, wenn dein Baby bei vielen Mahlzeiten in Gesellschaft is(s)t, und sich das Essverhalten abgucken kann.

Realistisch gesehen ist es jedoch nicht möglich, sich bei jeder Mahlzeit entspannt dazu zu setzen. Da gibt es noch dreckiges Geschirr, Vorbereitungen für das Abendessen und ganz viel mehr, was nicht alles erledigt werden kann, wenn das Baby schläft. Und manchmal sind wir auch einfach nicht hungrig, um schon wieder etwas zu essen. Stress dich daher nicht. Es ist okay, wenn du nicht bei jeder einzelnen Mahlzeit daneben sitzt. Wichtig ist, dass du immer in der Nähe bleibst und dein Kind beobachtest. Denn sollte sich ein Baby doch mal verschlucken, musst du schnell handeln.

Andererseits sind wir Eltern oft gut darin, uns ständig um die Familie zu kümmern und viel zu wenig um uns selber. Wenn du kannst, nutze daher die Mahlzeit deines Kindes um dich dazuzusetzen, einen warmen Tee/Kaffee zu trinken und etwas zu entspannen. 

Es ist von Vorteil, wenn das Baby sieht, wie die ganze Familie das gleiche isst, was auch auf dem Babyteller liegt. Wenn es aber z. B. Lebensmittel gibt, die du absolut nicht magst, dann musst du das nicht deinem Kind zuliebe essen. Denn Babys können schnell erkennen, ob die Eltern und Geschwister das Essen mögen oder nicht. “Wenn Papa den Brokkoli nicht mag, dann sollte ich den besser auch nicht essen.” Die Familie muss also nicht 1:1 das essen, was das Baby isst. Es ist jedoch hilfreich, wenn ein paar Lebensmittel auf allen Tellern gleich sind.

Und wenn es mal ein Gericht gibt, von dem das Baby nichts haben kann, heißt das nicht, dass ihr getrennt essen müsst. Versuche einfach, deinem Kind etwas zu geben, was er sehr gerne mag oder deinem Essen ähnlich sieht.

Babys kommen gewöhnlich mit einem guten „Eisen-Vorrat“ zur Welt und erhalten zudem Eisen über die Muttermilch/Säuglingsmilch. Um den 6. Monate herum wird dieser Vorrat jedoch immer mehr aufgebraucht, sodass vermehrt Eisen über die Nahrung aufgenommen werden muss, z. B. durch eine eisenreiche Mahlzeit am Tag.

Obwohl gerade bei Babys oft vor einem Eisenmangel gewarnt wird, tritt ein ernährungsbedingter Mangel eher selten auf. Vielmehr sind es gesundheitliche Gründe, wie Darmerkrankungen, die zu einem Eisenmangel führen. Bei einem Verdacht oder Fragen diesbezüglich ist der Kinderarzt zu kontaktieren.

Was einem Baby schmeckt lässt sich meist schnell erkennen, weil viel und gerne davon gegessen wird. Was dem Baby nicht schmeckt, ist deutlich schwieriger zu erkennen. Babys lernen so viele neue Geschmäcker kennen. Oft muss sich das Baby erst an einen neuen Geschmack gewöhnen. Daher ist es wichtig, Lebensmittel immer wieder anzubieten und nicht nach der ersten Ablehnung als ein „Er mag es nicht.“ zu interpretieren.

Zudem ändern sich die Vorlieben auch oft. Das liegt zu einem großen Teil daran, dass Babys in ihrer Entwicklung unterschiedliche Nährstoffe in unterschiedlichen Mengen benötigen. Und Babys wissen instinktiv sehr gut, was ihr Körper braucht. So sind sie für einige Tage ganz heiß auf Fleisch, weil ihre Eisenreserven etwas niedriger sind, an anderen Tagen ist es der Joghurt oder Brokkoli, weil sie mehr Kalzium brauchen, u.s.w. 

Feinmotorik und selber essen sind Dinge, die das Baby gerade lernt. Und obwohl Babys unglaublich schnell lernen, geht es trotzdem nicht von heute auf Morgen. Dein Baby experimentiert und probiert, wie es das Essen festhalten und in den Mund bekommen kann. Dabei kann es gar nicht sauber bleiben. Damit das anschließende Aufräumen etwas schneller geht, ist ein gutes Lätzchen mit langen Ärmeln sowie eine rutschfeste Matte unter dem Hochstuhl hilfreich. Auch Hunde können hier große Helfer sein. 🙂

Quetschies (der Obstbrei aus der Tüte) sind so konstruiert, dass auch Babys durchaus selber hiermit essen können (nachdem sie gelernt haben, die Öffnung erst in den Mund zu stecken und dann zu drücken). Das heißt, Quetschies sind auch für eine Beikost nach Baby Led Weaning geeignet. Dennoch sollten diese Beutel eher selten als Mahlzeit oder Snack dienen. Sie enthalten viel Fruchtzucker und verleiten zu einem zahnschädigenden Dauernuckeln. Zudem ist der Vitamingehalt niedriger als in frischem Obst und sie produzieren viel Müll.