Essen für kleine Kinder – einfach und gesund!

17 Tipps, damit Kinder mehr Gemüse essen

“Mag ich nicht!” Wie oft hören wir das von Kleinkindern, vor allem in Bezug auf Gemüse. Alle Kinder durchlaufen diese Phase der Ablehnung, die einen mehr, die anderen weniger. Hier findest du 17 Tipps, damit dein Kind wieder mehr Gemüse isst.

Inhalt

Warum ist mein Kind so wählerisch?

Jedes Kind durchläuft eine Zeit, in der Essen (oder Dinge) abgelehnt werden, selbst solche, die vorher gemocht wurden. Das hängt mit der Phase der Abneigung (Neophobie) zusammen, welche im Alter von 2 bis 6 Jahren am stärksten ausgeprägt ist. Hinzu kommt das Streben nach Autonomie (auch Trotzphase genannt). Dein Kind möchte selber entscheiden, was es isst und was nicht. 

Das wählerische Verhalten hängt auch mit den Urinstinkten zusammen, die wir alle in uns haben. Kinder mögen ab Geburt gerne Süßes, denn süß ist in der Natur nicht giftig und es liefert schnelle Energie. Im zweiten Lebensjahr werden Kinder immer selbstständiger und erkunden die Welt auf eigene Faust. Der Urinstinkt sagt dem Kind, dass es jetzt nicht mehr alles in den Mund stecken, sondern wählerischer sein soll, um sich so vor giftigen Sachen zu schützen. Gerade Gemüse schmeckt oft eher bitter und bitter wird vom Körper als Warnung verstanden, dass dieses Essen ggf. nicht so gut ist und besser aussortiert werden sollte. Das wählerische Verhalten ist also auch ein evolutionärer Instinkt.

Es gibt somit verschiedene entwicklungsbedingte Gründe, warum Kleinkinder wählerisch sind und Gemüse oft verweigern. Trotzdem kannst du mit ein paar Tricks Gemüse wieder interessant machen. Wie, erfährst du hier! 

Wie wird mein Kind zu einem guten Esser?

Als Baby essen die meisten Kinder gut und viel. Im zweiten Lebensjahr werden Lebensmittel immer öfter abgelehnt. Ständig wird beim Essen gequengelt. Manchmal sind wir froh, wenn das Kind überhaupt etwas isst und bieten auch mal nur Nudeln mit Ketchup an. Einige Wochen oder Monate später stellen wir fest, dass das Kind nur noch Nudeln mit Ketchup möchte. Wie sind wir dahin gekommen? Es ist ein schleichender Prozess, den es früh zu unterbrechen gilt.  

Warum manche Kinder nun besser essen als andere, lässt sich nicht einfach begründen. Es hängt von vielen Faktoren ab, unter anderem, wie viele der nachstehenden Tipps angewendet werden.

17 Tipps, damit Kinder mehr Gemüse essen

Suche dir die Tipps aus, die du am besten umsetzen kannst. Umso mehr du anwendest, desto höher ist die Chance für Erfolg. Jedes Kind is(s)t anders, daher klappen manche Tricks besser als andere.

Tipp 1 - Gemüse früh, oft und abwechslungsreich anbieten

Im Alter zwischen 6 Monaten und 2 Jahren sind Kinder meist recht offen für neue Geschmäcker. Nutze diese Zeit, um deinem Kind täglich Gemüse anzubieten. Fange beim Beikoststart mit geeigneten Gemüsesorten an und achte auf Abwechslung. Auch unterschiedliche Formen & Kombinationen (angemessen für das Alter) sind wichtig; in länglichen Stücken gedünstet, gerieben, püriert, im Ofen geröstet, mit anderen Zutaten gemixt, roh mit Dip, usw.

Bekommt dein Baby Brei nach Beikostplan, achte auch hier auf Abwechslung und Vielfalt beim Gemüse. Drucke dir dafür diese Übersicht für den Mittagsbrei aus. Zudem kannst du ab und zu Fingerfood für Babys anbieten, denn breifreie Beikost und Babybrei lassen sich gut kombinieren. So lernt dein Baby andere Konsistenzen kennen und hat die Möglichkeit, das Essen genau zu untersuchen und so damit vertrauter zu werden. 

Kinder lehnen meistens das ab, was sie nicht so gut kennen. Daher ist es so wichtig, sie früh mit viel Gemüse vertraut zu machen. Gemüse sollte ein fester Bestandteil der Mahlzeiten sein und nicht etwas Besonderes oder Neues.

Tipp 2 - Gemüse als Vorspeise

Biete deinem Kind Gemüse zum Knabbern an, während du die Mahlzeit zubereitest. Der Hunger ist dann oft groß genug, dass zumindest etwas von dem Gemüse gegessen wird. Dieser Trick funktioniert auch bei Erwachsenen gut. 🙂

Bei Familienmahlzeiten kannst du auch die “Tradition” einführen, dass es als Vorspeise immer erst Gemüse gibt, in welcher Form auch immer.

Tipp 3 - Dip dazu

Welches Kind dippt nicht gerne? Mit einem Dip schmeckt Gemüse besser und dippen macht Spaß! Probiere z. B. mal: 

lachendes Kleinkind, das am Tisch sitzt
Essen soll Spaß machen

Tipp 4 - Süßliches Gemüse oder mit Obst kombinieren

Gerade für Kinder, die nahezu alles an Gemüse ablehnen, ist es besser, zunächst solche Sorten zu wählen, die mild oder sogar süß schmecken. Beispielsweise Karotten, Süßkartoffel und Kürbis schmecken etwas süßlich, vor allem, wenn sie im Ofen geröstet werden. Daraus lassen sich z. B. auch mit einer Heißluftfritteuse* tolle, gesunde Gemüsepommes machen.  Obstspieße sind bei vielen Kindern beliebt. Hier lassen sich gut Gurken oder Tomaten unter das Obst mischen. Hat dein Kind die milden und süßlichen Gemüsesorten akzeptiert, können langsam weitere Varianten eingeführt werden.

Tipp 5 - Immer eine leckere Komponente auf dem Teller

Stelle sicher, dass immer mindestens ein Lebensmittel auf dem Teller ist, dass dein Kind gerne mag, sonst ist das Risiko hoch, dass der Teller pauschal abgelehnt wird. Biete gerade von neuem oder eher unbeliebtem Essen nur kleine Portionen an, auch um Abfall zu vermeiden (oder dass Eltern die Reste essen). 

Grundsätzlich ist es gut, eher kleine Portionen auf den Teller zu geben. Ein Nachschlag ist jederzeit möglich.

Tipp 6 - Sei ein Vorbild

Es wird oft unterschätzt, wie groß die Vorbildfunktion von Eltern und Geschwistern ist. Wenn Eltern nur wenig oder gar kein Gemüse essen, dann tun es die Kinder auch nicht. Versuche daher oft als Familie zusammen zu essen und esse dabei selber regelmäßig Gemüse. 

Alleine durch das Zugucken wird dein Kind mit dem Gemüse vertraut. Wenn es dann auf den eigenen Teller kommt, ist es nicht mehr etwas völlig Neues, sondern bekannt und scheinbar gut, denn der Rest der Familie isst es ja auch oft. 

Verzichte bei den Mahlzeiten auf Kommentare wie “Guck mal, Mama hat ihren Brokkoli aufgegessen!”, denn das übt Druck auf das Kind aus. Zeige deinem Kind einfach, dass du oft und gerne Gemüse isst, weil das normal und lecker ist.

Tipp 7 - Gemüse spielerisch entdecken

Es ist okay, wenn Kinder mit ihrem Essen spielen (solange sie damit achtsam und nicht verschwenderisch umgehen). Kinder sind Entdecker und Forscher. Durch Spielen lernen sie! Daher ist es gut, wenn das Essen die Fantasie anregt und Kinder dadurch Spaß beim Essen haben. 

Lässt sich aus den Gurkenscheiben ein Turm stapeln? Wie viele Erbsen bleiben an einem Löffel mit Kartoffelpüree hängen? Was für ein Gesicht lässt sich aus dem Gemüse formen?

Tipp 8 - Lasse dein Kind beim Kochen helfen

Es macht einen großen Unterschied für das Essverhalten, wenn Kinder beim Zubereiten des Essens mithelfen. Sie sind stolz, weil sie ihren Beitrag geleistet haben. Wenn sie Dinge mitentscheiden dürfen, z. B. ob es gelbe oder rote Paprika gibt, wird das Essen eher akzeptiert. Zudem lernen sie beim Kochen die Lebensmittel noch besser kennen, wie sie in ihrer natürlichen Form aussehen, ob Kerne drin sind, wie es riecht, etc. 

Sobald dein Kind sicher in einem Lernturm* steht, kann es beim Kochen helfen, beispielsweise das geschnittene Gemüse in den Topf werfen. Hier findest du Empfehlungen für Kochutensilien speziell für kleine Kinder.

Kind, dass Gemüse für einen Salat schneidet
Selbst gekocht schmeckt es besser

Tipp 9 - Immer wieder anbieten

Hattest du als Kind eine Abneigung gegen bestimmte Lebensmittel, die du heute gerne magst? Das liegt daran, dass Kinder sich erstmal an die verschiedenen Geschmacksrichtungen gewöhnen müssen, bis es tatsächlich schmeckt. 

Biete Gemüse immer wieder an, in kleinen Portionen. Kinder müssen neue Lebensmittel oft 10-mal und manchmal bis zu 30-mal probieren, bis sie mit Geschmack, Aussehen und Konsistenz vertraut sind. Es ist normal, dass Kleinkinder neues Essen zunächst ablehnen. 

Variiere regelmäßig Konsistenz, Aussehen und Kombination mit anderen Lebensmitteln. Wenn etwas anders aussieht als gewohnt, dann ist es in Kinderaugen neu, und neu ist interessant. Aus Karotten kann man auch Pommes machen, aus Blumenkohl werden Wings und aus Zucchini werden Nudeln. Manchmal reicht es schon, das Gemüse in eine andere Form zu schneiden. Und ein Dip kommt ebenfalls gut an. 

Gemüse kann auch “versteckt” angeboten werden, also püriert in der Nudelsoße oder fein gerieben im Brownie oder im Brot. So kannst du erreichen, dass dein Kind insgesamt mehr Gemüse konsumiert. Um aber mit dem Gemüse vertraut zu werden und es als solches zu akzeptieren, muss es regelmäßig “offensichtlich” auf den Teller kommen.

Tipp 10 - Das Auge isst mit

Mit wenigen Handgriffen lässt sich langweiliges Gemüse in Dinosaurier, Spiralen, Blumen und ähnliches verwandeln. Natürlich macht man sowas nicht bei jeder Mahlzeit. Aber ab und zu kannst du deinem Kind schnell eine Freude machen, indem aus Gurkenscheiben Dinosaurier ausgestochen werden, aus Nudeln und Tomaten ein Gesicht geformt wird, oder aus Paprika und Gurke kleine Schiffe gebastelt werden. 

Durch Formen, aber auch mit Geschichten (siehe nächster Tipp) wird Gemüse interessant.

Tipp 11 - Außerhalb der Mahlzeiten mit Gemüse beschäftigen

Der Einkauf gehört zum Kochen und Essen dazu. Nimm dein Kind mit in den Supermarkt oder auf den Wochenmarkt. Rede über die Lebensmittel, die es dort gibt: Welche Farbe das Gemüse hat, ob es groß oder klein ist, woran die Form erinnert, etc. 

Lasse dein Kind ruhig öfter ein Gemüse/Obst aussuchen, zum Ausprobieren.

Eine Kinderküche* mit Gemüse-Spielzeug* ist eine tolle Beschäftigung, bei der dein Kind ebenfalls mit dem Essen vertraut wird. Bei uns zählt die Kinderküche zu den besten Anschaffungen, die wir für die Kinder gemacht haben, weil die Zwillinge schon seit 3 Jahren damit spielen. 

Auch Bücher sind eine tolle Möglichkeit, um spielerisch über Essen zu reden. “Meinst du, du wirst genauso grün wie der Esel im Buch, wenn du deinen ganzen Brokkoli isst?” Hat bei meinen Kindern super funktioniert. 🙂

Tipp 12 - Kein Stress

Versuche, die Mahlzeiten so entspannt wie möglich zu gestalten. Was oder wie viel das Kind isst, sollte nicht zum Thema gemacht werden. Das erzeugt Stress, Druck oder/und Angst. Das Essen soll stressfrei sein und Spaß machen.

Es ist okay, wenn dein Kind das isst, was es mag und andere Sachen nicht. Ob du dein Kind ermutigst, von dem “Neuen” zu probieren, ist eine eher persönliche Entscheidung, abhängig vom Kind. Bei meiner Tochter klappt das gut, weil sie manchmal pauschal “Nein” sagt und dann merkt, dass es ja doch schmeckt. Andere Kinder fühlen sich dadurch aber zu sehr unter Druck gesetzt oder sagen dann schnell aus Prinzip, dass es ihnen nicht schmeckt.

Tipp 13 - Gemeinsame Mahlzeiten

Bei Mahlzeiten geht es nicht nur darum, den Bauch zu füllen, sondern auch um die Gemeinschaft mit anderen. Das gemeinsame Essen hat einen großen Einfluss auf das Essverhalten. Das Kind erlebt die Eltern und ggf. Geschwister als Vorbilder und guckt sich die sozialen Interaktionen und das Essverhalten ab. 

Die gemeinsame Zeit bei Tisch bietet auch eine schöne Möglichkeit für Gespräche, was im Alltag schnell zu kurz kommt. Daher sollte mindestens eine Mahlzeit am Tag als Familie erfolgen.

Tipp 14 - Weniger Snacks

Kinder brauchen pro Tag 3 Hauptmahlzeiten und bis zu 2 Snacks, also insgesamt 3 – 5 Mahlzeiten. Wer häufiger isst, hat bis zur nächsten Mahlzeit noch gar nicht richtig Hunger. Und wer keinen Hunger hat, isst maximal das, worauf er Appetit hat.

Isst dein Kind öfter als 5 -Mal am Tag? Dann versuche, die Anzahl der Snacks langsam auf zwei zu reduzieren. Die Frage nach Essen bedeutet nicht automatisch, dass dein Kind wirklich Hunger hat. Dahinter kann auch Langeweile, Durst, Müdigkeit oder das Bedürfnis nach Aufmerksamkeit liegen. 

Wenn dein Kind einen Snack möchte, biete zunächst Wasser an. Kinder trinken häufig eher wenig. Fragt dein Kind bei der Zubereitung von Mittagessen oder Abendbrot nach etwas zum Essen, weil er ja schon soooo hungrig ist, biete etwas Gemüse oder Obst zum Knabbern an.

Tipp 15 - Alle essen das Gleiche

Bei den gemeinsamen Familienmahlzeiten ist es am besten, wenn alle das Gleiche essen, sofern das möglich ist. Das Essen kommt auf den Tisch und jeder kann sich nehmen, was er mag. Auch kleine Kinder können sich schon selber nehmen oder zumindest sagen, was sie gerne auf dem Teller haben möchten. 

Für Kinder sollte kein Extra-Essen gekocht werden, solange das Familienessen auch für Kinder geeignet ist. Achte bei der Planung der Mahlzeiten darauf, dass zumindest eine Komponente dabei ist, die dein Kind gewöhnlich mag. Falls diese auch abgelehnt wird, kannst du Gemüse oder Obst als Alternative anbieten.

Tipp 16 - Keine Bestechungen oder Ablenkungen

“Wenn du den Brokkoli isst, bekommst du zum Nachtisch etwas Süßes.” Manchmal klappen solche Bestechungen und in dem Moment sind wir Eltern einfach froh, dass doch noch Gemüse gegessen wurde. Tatsächlich wird damit jedoch beim Kind erzielt, dass das Gemüse abgewertet und die Süßigkeit aufgewertet wird. Das heißt, langfristig wird dein Kind eher weniger Gemüse essen, als mehr.  

 

Grundsätzlich sollten Süßigkeiten nie als Belohnung für ein bestimmtes Verhalten benutzt werden. Auch ein Ablenken vom Essen, z. B. mit dem Fernseher, Handy oder Tablet, mag vielleicht zu einem kurzfristigen Erfolg führen. Langfristig hat dies eher die Folge, dass das natürliche Hunger- und Sättigungsgefühl ignoriert und dadurch zu viel gegessen wird.

Kleinkind ernted zusammen mit der Mutter Gemüse aus dem Garten / Gewächshaus
Gemüse selber anbauen und ernten

Tipp 17 - Gemüse selber anbauen und ernten

Falls ihr die Chance habt, ein bisschen Gemüse daheim anzubauen oder auf einem Bauernhof Gemüse selber zu ernten, dann nutzt das! Selbst wenn ihr nur Radieschen auf der Fensterbank anbaut (denn die sind super einfach und wachsen schnell). Zu sehen, wie die Pflanze immer größer und das Gemüse immer reifer wird und es dann am Ende zu essen ist ein tolles Erlebnis für Kinder!

Wann ist wählerisches Verhalten bei Kindern nicht mehr normal?

Es gibt auch körperliche Ursachen, die zu wählerischem Verhalten und damit zur Ablehnung von bestimmten Lebensmitteln führen können. Dazu zählen u. a.: 

  • Lebensmittelunverträglichkeit
  • Verstopfung
  • Hochsensibilität

Zu möglichen Anzeichen zählen, wenn dein Kind übermäßig wählerisch ist oder gar kein Interesse am Essen hat bzw. nie Hunger erkennen lässt. Kommen dann noch Verdauungsprobleme hinzu, kann es gut sein, dass die Ablehnung aus gesundheitlichen Gründen erfolgt. 

Auch wenn diese Anzeichen nicht gegeben sind, gilt: Wenn du dir Sorgen machst, dass bei deinem Kind ggf. mehr hinter dem Essverhalten stecken könne, ziehe einen Arzt oder Ernährungsberater zurate!

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